Untitled
Sasha Auerbakh
wall objects in two parts, painted, made of steel
212 × 55 × 2.5 cm and 134 × 103 × 2.5 cm
2020
Acquisition 2024
Inv. No. 0478
on loan
Nach Kebab und Lollipop, beides Werke aus dem Jahr 2017, fielen 2024 die beiden Wandobjekte Untitled auf. Sie waren in Sasha Auerbakhs erster Einzelausstellung Space Almond Head Void im GOMO zu sehen, einem Independent Art Space am Volkertplatz in der Wiener Leopoldstadt. An Orten wie diesen – weder kommerzielle Galerie noch Kunsthandel oder institutioneller Raum – herrschen Spontaneität, Improvisationslust und enormes Engagement aller Beteiligten. Interessierte Kunstfreund*innen lieben sie. Dort kann man großartige Arbeiten von Künstler*innen finden, die nach dem Hochschulabschluss im Limbo sind, in einer Schwebe aus Unsicherheit und Warten. Diese gewisse Leere und Abwesenheit deutete bereits der Titel der Show an: der Raum, der Kopf, das Nichts …
Die beiden Objekte aus lackiertem Stahl erinnern zunächst an die Einfassung von Wirtshausschildern, wie sie ländliche Kunstschmied*innen herstellen. Auerbakh jedoch umrahmt keine Inhalte, sondern reine Luft. Dafür ist ihre Erzählung geradezu überfüllt mit Philosophie, Psychoanalyse, Quantenphysik und dem Buddhismus. Größten Eindruck machen der Künstlerin die "inneren Objekte" der österreichisch-britischen Analytikerin Melanie Klein (1882–1960). Bereits in der frühen Kindheit, schrieb die Konkurrentin Anna Freuds, entstehen Beziehungen zu Personen, die Sicherheit und Liebe geben, aber auch Ablehnung hervorrufen können. Diese bleiben ein Leben lang unbewusst und beeinflussen unsere Wahrnehmungen und Erwartungen von anderen Menschen.
Es ist spannend, wie Skulptur – das materielle Ergebnis ihrer Arbeit – und gedankliches Konzept bei Sasha Auerbakh auf den ersten Blick kaum in Einklang zu bringen sind. Wir sehen dekorativ festliche Objekte, wie wir sie aus der Salzburger Getreidegasse kennen, doch fehlt ihnen genau das „innere Objekt“, das unser psychisches Wohlbefinden beeinflusst. Es ist genau dieses Fehlen, das Auerbakh als Metapher „für einen bodenlosen, depressiven Geisteszustand“ betrachtet. Die Beziehung von Repräsentation und geistigem Bild kommt in ihrer Arbeit gehörig ins Wanken.
Text: Brigitte Huck
Exhibitions
Tapeti. Wallpaper and Artworks from the Museum of Contemporary Art Skopje and evn collection, Museum of Contemporary Art - Skopje